Welttag der Poesie // Zeit für Feder und Tinte

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“ oder „Hat der alte Hexenmeister“ – Na, klingelt’s da und fühlt ihr euch dadurch auch an den muffigen Geruch eines Klassenzimmers zurück erinnert? Ich erinnere mich sehr gut an diese zwei bekannten Balladen, denn sowohl „Der Erlkönig“ als auch „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe durfte ich während meiner Schulzeit auswendig lernen. Ach, und wenn ich mich richtig erinnere war John Maynard von Theodor Fontane auch dabei.
Welttag der Poesie // Zeit für Feder und Tinte
Erfreut war mein jüngeres Ich damals nicht, denn es gab 100 Sachen, die ich lieber gemacht hätte, als ein Gedicht auswendig zu lernen, welches man nach vier mal schlafen sowieso wieder vergessen hat. In einer Sache habe ich mich jedoch getäuscht, nicht das mit den „100 lieberen Sachen“, sondern das Vergessen, denn das Gedicht „Der Zauberlehrling“ kann ich bis heute noch. Zwar nicht fehlerfrei und lückenlos, aber mit ein bisschen Hilfe ist alles wieder da. Es gibt Tage da geistern mir Goethes Verse stundenlang durch den Kopf und wecken meinen Ehrgeiz auch die Lücken wieder zu schließen. Der Erlkönig ist leider nicht so gut hängen geblieben, aber wenn ich die Ballade vor mir habe, fühlt sich jede Zeile sehr vertraut an.
Welttag der Poesie // Zeit für Feder und Tinte
Dieser Beitrag zum Welttag der Poesie (21. März) ist in einer Zusammenarbeit entstanden. Viking* hat eine Kampagne gestartet und an Blogger Pakete mit verschiedenen Schreibutensilien verschickt. Die Idee bestand darin, mit diesen Sachen kreativ zu werden und sein Lieblingsgedicht (gerne auch Eigenkreationen) auf Papier oder Leinwand zu bringen.
Welttag der Poesie // Zeit für Feder und Tinte
Dieses Projekt hat mich dazu gebracht mir Zeit zu nehmen, um einer kleinen Liebe, die in Vergessenheit geraten war, wieder nachzugehen.
Welttag der Poesie // Zeit für Feder und Tinte
Vor ein paar Jahren habe ich bei einem Flohmarktbesuch ein paar alte Briefe und Postkarten gekauft. Natürlich wollte ich sie mir nicht nur ansehen, sondern wollte auch wissen (neugierig wie ich bin), was darin geschrieben steht. Was gar nicht so leicht war, denn sie sind in altdeutscher Schreibschrift verfasst worden, worin natürlich auch ihre Schönheit besteht.
Eine Woche lang habe ich in jeder freien Minute die Schriftstücke zur Hand genommen und versucht sie zu lesen oder besser gesagt zu entziffern. Nach mehr oder weniger befriedigter Neugierde wollte ich „mehr“. Mit Hilfe eines kleinen Büchleins habe ich angefangen, wie eine Erstklässlerin, Buchstaben in ein Übungsheft zu schreiben und mir die alte Schrift selbst bei zu bringen. Am Anfang habe ich noch mit dem Bleistift geschrieben, dann bin ich ganz klassisch, so wie damals, auf Feder und Tinte umgestiegen.
Welttag der Poesie // Zeit für Feder und Tinte
Umso mehr habe ich mich über das Kalligraphie-Set gefreut, welches in dem Paket enthalten war –  bestehend aus einem Tintenfass und einer „richtigen“ Schreibfeder in gold. Also lag es dann auch gar nicht mehr so fern, wie mein Werk für den Welttag der Poesie am Ende aussehen sollte. Ich habe „Der Gast“ von Theodor Fontane gewählt, es ist eines meiner Lieblingsgedichte, da es mich auf eine ganz eigene Art und Weise berührt.
Welttag der Poesie // Zeit für Feder und Tinte

Der Gast

Das Kind ist krank zum Sterben,
Die Lampe gibt trägen Schein,
Die Mutter spricht: „Mir ist es,
Als wären wir nicht allein.“

Der Vater sucht zu lächeln,
Doch im Herzen pocht’s ihm bang,
Stiller wird’s und stiller –
Die Nacht ist gar zu lang.

Nun scheint der Tag ins Fenster,
Die Vögel singen so klar;
Die Beiden wußten lange,
Wer der Gast gewesen war.

Theodor Fontane

Welttag der Poesie // Zeit für Feder und Tinte
Abschließend möchte ich noch sagen, man muss nicht Shakespeare oder Goethe heißen um poetische Werke auf Papier zu zaubern. In jedem von uns steckt irgendwo ein Poet. In den Einen ein größerer und in Anderen ein kleinerer. Und deshalb sollte jeder den Welttag der Poesie zelebrieren; Stift und Papier zur Hand nehmen und es mit der Welt teilen. ♥ Steffi


Hinweis: In Kooperation mit Viking*

Previous Post Next Post

1 Comment

  • Reply undiversell

    Was für ein trauriges Gedicht, aber so schön geschrieben. LG Undine

    21. März 2017 at 15:01
  • Kommentar verfassen

    You may also like